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Der Sternenhimmel im Juli

Bereits im Juni haben wir die erste große Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen weit über 30° erlebt. Für uns Norddeutsche schon recht ungewohnt – in anderen Teilen des Sonnensystems sind solche Temperaturen aber durchaus als sehr moderat zu bezeichnen. Das hat in erster Linie etwas mit dem Abstand zur Sonne zu tun:
Die Erde befindet sich quasi im idealen Abstand zur Sonne, so dass wir im Mittel doch recht angenehme Temperaturen haben. Astronomen sprechen hier von der „habitablen Zone“, also jenem Abstand vom Zentralgestirn, in dem die Temperatur das Vorkommen von flüssigem Wasser ermöglicht. In unserem Sonnensystem haben wir theoretisch sogar drei Planeten in diesem Bereich: Venus, Erde und Mars. Trotzdem finden wir heute – soweit bekannt – nur auf der Erde aktives Leben. Der Grund liegt daran, dass nicht nur der Abstand zur Sonne eine Rolle spielt, sondern auch die Zusammensetzung der Atmosphäre. Noch in den 50er Jahren gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass es auf der Venus zwar tropische Temperaturen gäbe, aber doch flüssiges Wasser und Sümpfe möglich seien. Erst, als man entdeckte, dass die Atmosphäre nicht wie die Erde aus Stickstoff und Sauerstoff, sondern fast ausschließlich aus Kohlendioxyd besteht, wurde langsam klar, dass es dort sehr viel heißer sein muss als bei uns. Die Messungen der sowjetischen Verena-Sonden und weiterer Raumfahrtmissionen brachten dann Gewissheit: Auf der Venusoberfläche herrschen fast durchgängig Temperaturen von weit über 400° Celsius – auch nachts.
Ganz anders auf dem Mars: Am äußeren Rand der habitablen Zone kommt deutlich weniger Sonnenlicht und damit auch Wärme an. Zum Glück besteht die Marsatmosphäre zu 95% aus Kohlendioxyd. Allerdings ist die Atmosphäre extrem dünn, der Luftdruck beträgt nur etwa 1% des irdischen Luftdrucks. Das sorgt dafür, dass durch den Treibhauseffekt die Temperaturen am Marsäquator in der Mittagszeit durchaus bis auf +20° Celsius steigen können, aber schon kurz nach Sonnenuntergang wird es wieder extrem kalt, im Marswinter bis zu -140° Celsius. Würden Mars und Venus die Plätze tauschen, hätten wir womöglich drei Planeten mit für Menschen erträglichen Temperaturen…
Auch die Erde wäre ohne einen Treibhauseffekt unbewohnbar: Statt einer Durchschnittstemperatur von +15° wäre die Erde ein Eisball mit einer Durchschnittstemperatur von -18° Celsius. Dabei besteht unsere Atmosphäre nur zu einem kleinen Teil aus Treibhausgasen wie Wasserdampf (0,4%), Kohlendioxyd (0,04%) und Methan (0,00019%). Schon eine kleine Änderung der Zusammensetzung der Atmosphäre kann verheerende Folgen haben. Unsere Nachbarplaneten sind ein mahnendes Beispiel dafür. Sorgen wir dafür, dass die Erde auch für zukünftige Generationen ein lebenswerter Ort bleibt – eine bewohnbare Alternative als Heimstätte für die Menschheit gibt es nicht!
 

Die Blaue Stunde

Besonders im Sommer, wenn nach der Hektik des Arbeitstages Ruhe eintritt, erlebt man das Magische an der Blauen Stunde. In Gottfried Benns Gedicht „Die blaue Stunde“ wird diese Stimmung eindringlich vermittelt: „In der blauen Stunde versinkt das Tagwerk still im Traum.“
Auch der Markplatz in Bremen zeigt dann diese außergewöhnliche Stimmung.

 

Wer bei der Blauen Stunde mehr Weitblick haben möchte, dem sei Metalhenge empfohlen.

Foto: Alexandra Langheim

 

Die Dauer der Blauen „Stunde“ hängt vom Breitengrad ab. In Mitteleuropa beträgt sie zwischen 30 Minuten zur Tagundnachtgleiche und 50 Minuten an den Sonnenwenden. In den Tropen bringt sie es nur auf 20 Minuten und in den weißen Nächten auf bis zu fünf Stunden. An den Polen könnte die Blaue Stunde zwei Wochen dauern – aber da spielt wahrscheinlich nie das Wetter mit.
Wer stimmungsvolle Fotos während der Blauen Stunde machen will, der sollte vorher auf die Dämmerungsrechner sehen, einige davon geben auch den Zeitraum der Blauen Stunde mit an. Es gibt auch eine Reihe von Apps, die die Blaue Stunde berechnen. Golden Hour (Android/IOS) ist umsonst und leicht zu bedienen.
Diese stimmungsvolle Zeit wird in Gedichten und Filmen gefeiert und spielt eine große Rolle in der Fotografie und der Malerei. Unter anderem haben Gottfried Benn, Ingeborg Bachmann und Jan Fabre Texte dazu verfasst. Roy Orbison, Francoise Hardy, Udo Lindenberg und viele andere haben sie besungen.
Es gibt keine exakte astronomische Definition der Blauen Stunde. Sie beginnt während der bürgerlichen Dämmerung und endet während der Nautischen Dämmerung, also etwa in dem Zeitraum, in dem die Sonne vier bis acht Grad unter dem Horizont steht.

erstellt mit der App Dämmerungsrechner von JeKoPhoto

Es gibt auch eine Blaue Stunde am Morgen. Aber genauso wie der Sonnenuntergang viel häufiger beobachtet wird als der Sonnenaufgang, so wird fast nur die Blaue Stunde am Abend wahrgenommen.
Obwohl das Phänomen der Blauen Stunde schon lange bekannt ist und vielfach beschrieben wurde, so erkannte erst im Jahr 1952 der US-amerikanische Geophysiker Edward Hulburt (1890–1982) die Ursache. Im Gegensatz zum Blau des Himmels, das durch Rayleigh-Streuung hervorgerufen wird, handelt es sich beim Licht der Blauen Stunde um andere Spektralbereiche. Während die Sonne eine Farbtemperatur von ca. 5.500 K hat, beträgt die des blauen Himmels zwischen 9.000 K und 12.000 K. Das intensive Blau bei der Blauen Stunde entsteht dadurch, dass in der Ozonschicht in 20 bis 30 Kilometer Höhe das orange-farbige Licht absorbiert wird (Chappuis-Absorption) und dadurch der Himmel blau erscheint. Mit dem bei Dämmerung immer länger werdenden Weg durch die Erdatmosphäre nimmt die Bedeutung der Rayleigh-Streuung für die Färbung des Himmels im Zenit ab, die Bedeutung der Chappuis-Absorption dagegen nimmt zu. Zum Zeitpunkt des Sonnenuntergangs ist die Färbung nur zu einem Drittel auf die Rayleigh-Streuung und zu zwei Dritteln auf die Chappuis-Absorption zurückzuführen. In der Dämmerung wird das blaue Licht des Himmels vollständig durch die Absorption in der Ozonschicht verursacht.
Wer wissen will, wie die Blaue Stunde riecht, der teste das Parfüm L´Heure Bleue, das es seit 1912 gibt.
und wer wissen will, wie diese Stunde schmeckt, dem sei dieser Tequila empfohlen.

 

Dies ist ein Auszug aus unserem Newsletter für Juli 2026.

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